Zusammenfassung
Die Industriestrategie Chinas entwickelt sich in zwei wesentlichen Punkten weiter. Erstens wird sie systemischer und durchdringender und erstreckt sich auf alle Produktionsebenen – von vorgelagerten Inputs und Industrieanlagen bis hin zu nachgelagerten Anwendungen, Dienstleistungen und Zukunftstechnologien. Zweitens beschleunigen diese innenpolitischen Dynamiken Chinas Handelsdominanz, vertiefen die ausländischen Abhängigkeiten von chinesischen Lieferketten und treiben die rasche globale Expansion chinesischer Unternehmen voran. Peking setzt zunehmend politische Instrumente ein, um seine dominante Stellung in globalen Wertschöpfungsketten zu festigen und ausländische Diversifizierungsstrategien zu verhindern.
Hintergrund & KontextEin Jahrzehnt nach dem Start von "Made in China 2025" (MIC25) setzt Peking verstärkt auf staatliche Intervention, anstatt sich zurückzuziehen. Die nächste Generation der Industriepolitik stellt einen Wandel von gezielten sektoralen Eingriffen hin zu dem dar, was man als "Industriepolitik für alles" bezeichnen könnte. Während sich MIC25 auf eine definierte Gruppe strategischer Zukunftsbranchen konzentrierte, erstrecken sich die aktuellen Rahmenwerke gleichermaßen auf reife Sektoren, grundlegende Knotenpunkte der Lieferkette und Zukunftstechnologien. Die chinesische Führung betrachtet die bisherige Politik als weitgehend erfolgreich beim Aufbau nationaler Fähigkeiten und globaler Wettbewerbsfähigkeit.Der Bericht der Rhodium Group, im Auftrag der US-Handelskammer, bewertet, wie Chinas heimische Industriepolitik unter strengeren Auflagen umfassender und ausgefeilter wird.
Das politische Instrumentarium hat sich durch bessere Koordination, ausgefeiltere Subventionen und den strategischen Einsatz staatseigener Unternehmen verbessert.
Diese Eingriffe betreffen nun fast alle wichtigen Sektoren und ihre zugrunde liegenden Lieferketten, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die globalen Märkte.Chinas industriepolitik der nächsten Generation beschleunigt seine Handelsdominanz. Die Exporte in Sektoren wie Elektrofahrzeuge, Batterien und Industrieausrüstung sind sprunghaft angestiegen, oft unterstützt durch staatliche Hilfen, die die globalen Märkte verzerren. Die Abhängigkeit des Auslands von chinesischen Lieferketten nimmt zu, insbesondere bei kritischen Mineralien, Seltenen Erden und Vorprodukten. Chinesische multinationale Unternehmen expandieren rasant im Ausland – nicht nur in der Fertigung, sondern auch in den Bereichen Logistik, Infrastruktur und Technologieplattformen. Dies stellt Regierungen und Unternehmen, die ihre Lieferketten diversifizieren wollen, vor strategische Herausforderungen.Für Unternehmen sind die Auswirkungen klar: Der Wettbewerb durch staatlich unterstützte chinesische Unternehmen wird in mehreren Branchen zunehmen. Die politischen Prioritäten in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften müssen sich in Richtung Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten, Investitionen in heimische Innovationen und Stärkung multilateraler Subventionsregeln verschieben. Geopolitische Entwicklungen, einschließlich Technologiewettbewerb und Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Sicherheit, gestalten die globale Industrielandschaft neu. Der Bericht stellt fest, dass die Frühwarnungen aus Wirtschaft und Forschung zu MIC25 weitgehend zutrafen, die Reaktionen jedoch unzureichend waren – eine Lehre für die aktuelle Phase.
ZukunftsausblickIn den nächsten 3 bis 10 Jahren wird Chinas Industriepolitik wahrscheinlich weiterhin ihren Umfang und ihre Komplexität erweitern. Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Biotechnologie entwickeln sich zu neuen Grenzbereichen. Globale Handelsmuster werden zunehmend die industrielle Dominanz Chinas widerspiegeln, mit Potenzial für weitere Handelsspannungen und Fragmentierung. Internationale Zusammenarbeit bei Technologie-Governance und Subventionsregeln wird entscheidend sein, um ein faires Wettbewerbsumfeld zu erhalten. Das Zeitfenster für wirksame Maßnahmen anderer Volkswirtschaften ist begrenzt, während China seine Positionen in strategischen Industrien festigt.
FazitChinas Industriepolitik der nächsten Generation stellt eine systemische Verschiebung dar, die weitreichende Konsequenzen für die Weltwirtschaft hat. Regierungen, Unternehmen und multilaterale Institutionen müssen sich an eine Landschaft anpassen, in der staatlich gesteuerter Wettbewerb die Norm ist. Die Beweise aus dem letzten Jahrzehnt unterstreichen die Bedeutung zeitnaher, evidenzbasierter Reaktionen, um das Wettbewerbsgleichgewicht und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu erhalten.